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Zeibekiko: Der Tanz, den man online für eine Show hält – und der eigentlich das Gegenteil ist

27. Sept.
2 Min. Lesezeit

Auf TikTok und Instagram kursieren ständig Videos von griechischen Hochzeiten: Ein Mann (oder eine Frau) tritt allein in die Mitte des Kreises, die Musik wird langsamer, alle anderen klatschen im Takt – und plötzlich tanzt diese eine Person minutenlang, mit geschlossenen Augen, mal in die Knie gehend, mal fast stolpernd. Kommentarspalten sind voll mit "😂 der ist betrunken" oder "Wow, was für Moves". Beides verfehlt komplett, was da eigentlich passiert.

Der Tanz heißt Zeibekiko, und er kam – genau wie die Bouzouki, über die wir letztens gesprochen haben – mit den Flüchtlingen aus Kleinasien nach 1922 nach Griechenland. Sein Ursprung liegt bei den Zeybeken, unabhängigen, kriegerischen Bergbewohnern Westanatoliens, deren Tanzkultur die griechischen Rembetiko-Musiker in den Hafenstädten aufnahmen und veränderten.

Das Entscheidende: Zeibekiko hat keine festgelegte Choreografie. Es gibt keine "richtigen" Schritte, die man lernen und dann perfekt vorführen könnte. Stattdessen improvisiert die tanzende Person völlig frei, oft mit gesenktem Blick, oft ohne die Umstehenden überhaupt wahrzunehmen. Es ist, im Kern, kein Auftritt für ein Publikum, sondern ein Moment nach innen – Trauer, Wut, Erleichterung, Liebeskummer, manchmal einfach nur pure Freude, die sich niemand anders mit ansehen soll außer man selbst.

Genau deshalb ist die ungeschriebene Regel beim Zeibekiko: Man klatscht, aber man tanzt nicht mit rein – man respektiert den Kreis um die tanzende Person wie eine unsichtbare Wand. Niemand applaudiert für "Technik", niemand bewertet die Bewegungen. Man ist einfach da.

Diese Regel geht online komplett verloren. Viral werden gerade die Videos, in denen jemand "besonders wild" oder "besonders lustig" tanzt – losgelöst vom eigentlichen emotionalen Kontext, oft ohne dass die Millionen Zuschauer je erfahren, warum diese Person gerade in diesem Moment allein in der Mitte stand. Ein zutiefst persönlicher, manchmal sogar schmerzhafter Moment wird zu 15 Sekunden Unterhaltung.

Jetzt seid ihr dran: Habt ihr selbst schon einmal Zeibekiko getanzt – oder steht ihr lieber im Kreis und klatscht? Antwortet (Reply) auf den Kommentar, der zu euch passt, weiter unten: 🕊️ Team "Ich hab's selbst getanzt" 👏 Team "Ich steh lieber im Kreis"

Falls ihr das nächste Mal bei uns seid und die Musik langsamer wird – wir wissen, was zu tun ist: Platz machen und klatschen. Und apropos Musik: Nur noch 2 Tage bis zum Drachmen-Fest am 29.09., mit live Bouzouki und ganz viel griechischer Stimmung! Danach kurze Pause: Betriebsurlaub vom 04.10. bis 15.10., ab 16.10. sind wir wieder für euch da.

 
 
 

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