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Das Komboloi: Die Perlenkette, mit der Griechen nicht beten – sondern denken

vor 4 Stunden
2 Min. Lesezeit

Wer in Griechenland ein Kafenio betritt, hört es, bevor er es sieht: ein leises, gleichmäßiges Klackern. Klick, klick, klick. Am Nebentisch sitzt ein älterer Herr, der Kaffee vor sich, der Blick irgendwo in der Ferne. Zwischen seinen Fingern gleitet eine Kette aus glänzenden Perlen. Das ist das Komboloi.

Viele halten es für einen Rosenkranz. Ein verständlicher Irrtum, aber eben ein Irrtum. Das Komboloi hat mit Gebeten nichts zu tun. Sein religiöser Cousin heißt Komboskini, die geknotete Gebetsschnur der Mönche. Der Name beider geht auf „kómbos“ zurück, den Knoten. Das weltliche Komboloi hat sich davon gelöst: Man betet nicht damit, man spielt damit. Griechen sagen wirklich „paízo komboloi“, ich spiele Komboloi.

Gezählt wird dabei nichts. Die Perlen aus Bernstein, Holz, Horn oder manchmal Silber wandern einfach durch die Finger, meist in einer ungeraden Zahl, und währenddessen wird der Kopf frei. Gute Stücke bekommen mit den Jahren durch die Hände ihres Besitzers Glanz und Patina. Manche werden vererbt, und dann steckt in jeder Perle ein Stück Familiengeschichte.

Woher das Komboloi genau stammt, darüber streiten die Gelehrten. Ähnliche Ketten gibt es im ganzen östlichen Mittelmeerraum. Aber nirgends gehört sie so selbstverständlich zum Alltag wie in Griechenland. Sie ist der Fidget-Spinner unter den Traditionen, nur mit deutlich mehr Stil und ein paar hundert Jahren Vorsprung. Ganz ohne Bildschirm, ganz ohne Akku, dafür mit einem Takt, der sagt: Es eilt nicht.

Und genau darum passt es so gut zu allem, worüber wir hier schon geschrieben haben. Zum Meraki, das man mit Hingabe tut. Zum Kaffeesatz, den man in aller Ruhe deutet. Kaffee trinken, Kaffeesatz lesen, Komboloi spielen: am selben Tisch, im selben Tempo.

Bei uns in der Arndtstraße liegt zwar kein Komboloi auf dem Tisch, aber Zeit gibt es genug. Kommt vorbei, bestellt ein paar Mezedes, lasst die Hände frei und die Gedanken wandern. Am Dienstag, 29.09., ab 17 Uhr feiern wir außerdem unser Drachmen Fest mit Livemusik und Preisen wie 1960. Danach machen wir vom 04. bis 15.10. Betriebsurlaub und sind ab dem 16.10. wieder für euch da.

Kaló méra und bis bald! Euer Mastiha-Team

 
 
 

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