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Retsina: Der Wein, der nach Weihnachtsbaum schmeckt – und warum das gut so ist

vor 2 Tagen
2 Min. Lesezeit

Es gibt Weine, die man liebt oder hasst – und Retsina steht ziemlich weit oben auf dieser Liste. Der erste Schluck überrascht fast jeden: Da ist Wein, ja, aber da ist auch... Weihnachtsbaum? Kiefernnadeln? Manche Menschen verlieben sich sofort. Andere brauchen ein zweites Glas, um zu verstehen, was gerade passiert ist. Beides ist eine völlig angemessene Reaktion.

Die Geschichte dahinter ist älter als man denkt – und eigentlich ein technisches Problem, das zur Tradition wurde. Im antiken Griechenland transportierte und lagerte man Wein in Amphoren aus Ton, die man mit Kiefernharz abdichtete, damit sie luftdicht blieben. Das Harz sickerte in den Wein, und mit der Zeit gewöhnten sich die Menschen nicht nur an den Geschmack, sondern begannen, ihn absichtlich herzustellen. Was als Nebenwirkung der Verpackung begann, wurde zur eigenen Weinkategorie.

Heute wird Retsina traditionell aus der Rebsorte Savatiano hergestellt, die vor allem rund um Athen und Attika wächst, und während der Gärung wird bewusst Harz der Aleppo-Kiefer zugesetzt – in genau kontrollierten, kleinen Mengen. Kein Zufall mehr, sondern Handwerk. Ein guter Retsina schmeckt nicht nach Terpentin, sondern nach etwas Harzigem, leicht an Wald Erinnerndem, das sich erstaunlich gut mit salzigem, fettigem oder scharfem Essen verträgt – genau deshalb ist er seit Jahrhunderten der klassische Begleiter zu Meze.

Interessant ist auch, warum Retsina im Ausland lange einen schlechten Ruf hatte: In den 1960er- und 70er-Jahren, als der griechische Tourismus boomte, wurde massenhaft billiger, schlecht gemachter Retsina an Touristen verkauft – oft zu stark geharzt, um schlechten Grundwein zu überdecken. Dieser Ruf hält sich bis heute, obwohl es längst wieder exzellente, sorgfältig produzierte Retsinas gibt, die selbst Sommeliers überraschen.

Bei uns in der Mastiha Mezedopolio gehört Retsina fest zur Karte – nicht als Kuriosität, sondern weil er zu genau dem passt, wofür wir stehen: ehrlich, ungeglättet, mit Charakter. Probier ihn einmal bewusst zu unseren Meze, gekühlt und in kleinen Schlucken. Vielleicht überrascht er dich genauso wie einst die Griechen der Antike – nur diesmal mit Absicht.

 
 
 

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